Panorama der Kirchenmusik beeindruckt

21.07.2015 von Gunter Faigle, erschienen im Südkurier

Freiburger Vokalensemble unter Wolfgang Schäfer und Organist Andreas Rütschlin mit starkem Auftritt in Donaueschingen

Ein eindringlich dirigierender Wolfgang Schäfer hat mit seinem „Freiburger Vokalensemble“ in der Donaueschinger Stadtkirche St. Johann überzeugend nachgewiesen, warum dieser Kammerchor so einen vorzüglichen Ruf genießt. Es sind seine wunderbare Geschlossenheit, seine makellos klare Intonation und stimmliche Transparenz, aber auch seine emotionale Ausdruckskraft, die einen in den musikalischen Bann schlagen.

Das Konzertprogramm der schon seit geraumer Zeit gattungsmäßig deutlich ausgeweiteten „Donaueschinger Stunde der Orgelmusik“ ist ausnehmend interessant, künstlerisch anspruchsvoll und ungewöhnlich abwechslungsreich. So widmet sich das Vokalensemble nicht nur Klassikern des kirchenmusikalischen Repertoires, sondern wirft auch Lichter auf Nischen der Musikgeschichte sowie auf teilweise wenig bekanntes zeitgenössisches Schaffen. Andreas Rütschlin schließlich, seit fünf Jahren Kantor an den Donaueschinger katholischen Kirchen, nutzt die Gelegenheit, vor mehr als 200 Konzertbesuchern seine Qualitäten als Konzertorganist zu erweisen.

Wolfgang Schäfer fügt mit seinen 22 Sängerinnen und Sängern aus rund einem Dutzend A-capella-Chorsätzen nach und nach ein faszinierendes Mosaik geistlicher Musik zusammen, das am Ende den Zeitraum vom 17. bis ins 21. Jahrhundert einschließt.

Das Vokalensemble beherrscht auf der einen Seite anrührend und präzise zugleich den Stil demütiger und feiner menschlicher Klage, wie ihn Johann Hermann Schein im frühen 17. Jahrhundert in Musik gesetzt hat. Auf der anderen Seite bringt es genauso die Verlassenheitsnot des Gottessohnes Jesus Christus am Kreuz zum Ausdruck, wie sie der erst 1991 verstorbene ungarische Komponist Georgius Bárdos mit verzweifelten Abwärtsglissandi durch alle Stimmen hindurch hochdramatisch gestaltet.

Das lateinische Os justi – Der Mund der Gerechten – von Anton Bruckner ist ein anderes Beispiel für das hervorragende Vermögen des Chores: Er ist gleich achtstimmig gefordert und entwickelt dabei ein grandioses Klangvolumen bei perfekter Stimmenbalance; nirgends wird der Atem dünn oder bricht gar ab, selbst wenn das Tempo mehr als verhalten wird; und das abschließende Alleluja ertönt unisono dann auch noch locker und beschwingt. Das nennt man Sangeskunst.

Schäfer weiß bei jedem Stück, was für ein Gestaltungsideal er umsetzen möchte, und er vermag es auch stets mit seiner konzentrierten Dirigierweise zu verdeutlichen: je nachdem mit hebender und tragender, formender und rundender, sanft fordernder oder auch energischer Geste.

Andreas Rütschlin hat sich für seine beiden konzertanten Orgeleinlagen Stücke ausgesucht, die spieltechnisch wie auch gestalterisch ebenso schwierig wie heikel sind. Mit zwei der „Sieben Pastelle vom Bodensee“, die Sigfrid Karg-Elert 1919 geschrieben hat, kommen impressionistische Klangfarben in den Kirchenraum, die Rütschlin durch ein fast schon extrem differenziertes Registrieren hervorragend trifft. Und mit dem Präludium und der Fuge in g-Moll op.7 Nr. 3 von Marcel Dupré macht er wieder einmal klar, dass er nicht nur ein ungewöhnlich ausdauernder Musiker, sondern auch ein bewundernswerter Könner ist. Der Beifall für alle ist begeistert.