Hervorragende Gesangsqualität - Freiburger Vokalensemble in St. Stephan

14.02.2017 Artikel erschienen in der Zeitung Badische Neue Nachrichten - Bild von Walter Bronner

Nach dem letztjährigen Gastkonzert des Freiburger Vokalensembles in St. Stephan, das 1971 von seinem jetzigen Leiter Wolfgang Schäfer gegründet wurde, konnte man sich auch beim jüngsten Konzert am selben Ort von der hervorragenden Gesangsqualität des Kammerchores überzeugen. Mit Werken aus fünf Jahrhunderten bot der Chor, ergänzt um einige Orgelwerke, die Stephanskantor Patrick Fritz-Benzing beisteuerte, ein breites Spektrum sakraler Musik, die sich mit dem Mysterium der Geburt Jesu befasste; gewissermaßen als Rückbesinnung auf die bis jetzt noch nicht allzu lange zurückliegende Weihnachtszeit.

In die Klangwelt der russisch-orthodoxen Kirchenmusik eintauchen ließ sich zu Beginn mit dem kurzen Chorsatz „Gospodi Iisuse Khriste“ (Christus, erbarme dich) von Alfred Schnittke. Mit sonorem, ausgewogenem Klang unter schöner Färbung der spezifischen Harmonik füllte das Vokalensemble den weiten Kirchenraum aus. Ein Chorsatz des englischen Renaissancemeisters Richard Farrant und der moderne Gesang „Unicornis captivatur“ des 1978 geborenen Norwegers Ola Gjeilo, der hier biblische und heidnische Elemente verschmilzt, schlossen sich an. Im mitunter reichen, stark polyphonen Satz wurde indes eine gute Verständlichkeit gewahrt und eine den Nachhall berücksichtigende Tempowahl getroffen. Recht oft in Kirchenkonzerten zu hören ist das kompositorisch und harmonisch ungewöhnlich moderne Präludium in e-Moll des Bach-Zeitgenossen Nikolaus Bruhns. Patrick Fritz-Benzing bot eine stimmige Interpretation des umfänglichen Stückes dar.

Im Anschluss präsentierte das Vokalensemble weitere Gesänge aus der Romantik und dem 20. Jahrhundert; neben zwei Werken des Ungarn György Orban (*1943) und Josef Gabriel Rheinbergers gefielen besonders das sehr klangschöne und feinsinnig ausgestaltete „O magnum mysterium“ des für seine oft gefühlsintensive und herzerwärmende Melodik bekannten, aus Dänemark stammenden Komponisten Morten Lauridsen (*1943). Sehr engagiert wurde danach ein „Bendicte domino“ des ebenfalls dänischen Komponisten Vagn Holmboe (1909–1996) angegangen. Mit zwei Orgelwerken von Max Reger aus dessen Opus 65 – dem groß angelegten d-Moll-Präludium sowie dem ein wenig makaber-grotesk daherkommenden d-Moll-Scherzo – leitete Patrick Fritz- Benzing zum Konzertfinale über; nach einem präzise und klaren „Venite exultemus“ von Jan Pieterszoon Sweelinck schloss sich mit dem choralartig-eingängigen „Lord For Thy Tender“ von Richard Farrant und einer Vertonung des orthodoxen Vaterunsers von Alfred Schnittke der Kreis zum Konzertbeginn, dem das Vokalensemble zum Dank für den reichen Beifall eine Zugabe folgen ließ.